Vitrifikation von Ihren Embryonen

Bei der Kryokonservierung handelt es sich um ein Verfahren, in dem Zellen oder Gewebe auf Temperaturen im Minusbereich, zumeist auf 77 K ( = -196° Celsius, der Siedepunkt von flüssigem Stickstoff) herunter gekühlt werden, um sie haltbar zu machen. Bei diesen niedrigen Temperaturen wird jegliche biologische Aktivität, d.h. auch die biochemischen Reaktionen, die zum Sterben der Zellen führen würden, gestoppt. Das Verfahren der Kryokonservierung wird bei Fruchtbarkeitsbehandlungen genutzt, um die aus einem In-vitro-Behandlungszyklus stammenden Spermien, Eizellen oder Embryonen einzufrieren und zu lagern.

Das bei der Kryokonservierung von Eizellen angewendete Verfahren nennt sich Vitrifizierung.

Üblicherweise werden beim Vitrifizieren vor dem eigentlichen Gefriervorgang Gefrierschutz-mittel, sog. Kryoprotektiva hinzugefügt. Diese Substanzen wirken wie Frostschutzmittel, d.h. sie reduzieren den Gefrierpunkt und erhöhen die Viskosität, also die Zähflüssigkeit des Gefriergutes. Damit wird erreicht, dass die sirupartige Flüssigkeit beim Gefrieren keine Kristalle bildet, sondern ein amorphes Eis entsteht, dass die Substanz also vitrifiziert.

In einer ganzen Reihe von randomisierten Studien konnte Bedenken hinsichtlich der Qualität von vitrifizierten und anschließend aufgetauten Eizellen zerstreut werden, denn diese Studien wiesen weder ein erhöhtes Risiko von Aneuploidien noch eine verringerte Implantationsrate nach [1]. Andere Arbeiten, die sich mit der Schwangerschaftsrate beschäftigten, zeigen für eingefrorene und frische Eizellen vergleichbare Erfolgsquoten auf [2, 3, 4]. Das Vorkommen von häufig auftretenden Fehlbildungen bei Säuglingen ist mit der Häufigkeit dieser Fehlbildungen bei natürlich gezeugten Kindern vergleichbar. Hierdurch wird bestätigt, dass kein Zusammenhang zwischen der Vitrifizierung von Eizellen und dem erhöhten Risiko von nachteiligen Folgen beim Neugeborenen besteht.

Unsere Ergebnisse decken sich mit denen in der einschlägigen Fachliteratur, denn im Jahr 2012 erreichten wir eine klinische Schwangerschaftsrate von 63% mit gefrorenen Eizellspenden, während die klinische Schwangerschaftsrate für frische Eizellspenden 62% betrug.

An der O.L.G.A. Fertility Clinic haben wir mit der Vitrifizierung von Eizellen im Jahr 2008 begonnen, nachdem wir das Verfahren in einem gründlichen Training bei Prof. Kuwayama in Japan erlernt hatten. Seit 2008 haben wir mehr als 2000 gespendete Eizellen im offenen System eingefroren. Die ersten Kinder, die mit gespendeten vitrifizierten Eizellen gezeugt wurden, kamen im Jahr 2010 zur Welt. Im ersten Halbjahr 2012 haben wir dann letztlich so gleichbleibend gute Ergebnisse erzielt, dass wir unseren Patientinnen von nun an auch eine Behandlung mit einer vitrifizierten Eizellspende als Alternativkonzept regelmäßig anbieten können.

Tabelle 1: Ergebnisse des Pilotprojekts an der O.L.G.A. Fertility Clinic: Behandlung mit vitrifizierter Eizellspende im Jahr 2012

Anzahl der frischen Embryotransfers mit vitrifizierter Eizellspende

55

Anzahl der aufgetauten Eizellen

645

Anzahl der Eizellen pro Patientin

11,7

Überlebensrate

83%

Befruchtungsrate

72%

% der Eizellreife zur Blastozyste für den Embryotransfer oder zum Einfrieren

52%

Klinische Schwangerschaftsraten (45 DET= Doppel-Embryotransfer+10 SET=Einzel-Embryotransfer)

63,6% (55)

 

Literatur:

Eric J. Forman, M.D., Xinying Li, Ph.D.,a Kathleen M. Ferry, B.S., Katherine Scott, M.S., Nathan R. Treff, Ph.D., Richard T. Scott Jr., M.D.(2012) Oocyte vitrification does not increase the risk of embryonic aneuploidy or diminish the implantation potential of blastocysts created after intracytoplasmic sperm injection a novel, paired randomized controlled trial using DNA fingerprinting. Fertility and Sterility Vol. 98, No. 3, September 2012

Chen C. (1986) "Pregnancy after human oocyte cryopreservation". Lancet 1 (8486): 884-886. Retrieved on April 24, 2007

Jain, J. et al. (2005) "Oocyte cryopreservation". Fertility and Sterility 86 (4): 1037-1046. Retrieved on April 24, 2007

Grifo J and Noyes N. (2010) Delivery rate using cryopreserved oocytes is comparable to conventional in vitro fertilization using fresh oocytes: potential fertility preservation for female cancer patients. Fertility and Sterility 93:391-396.

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